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News13.01.2012
Fachbeitrag - Prozessoptimierung durch wissensbasierte Diagnosesysteme am Beispiel des Schablonendrucks(Autoren: Prof. Dr.-Ing. Jörg Franke, Dipl.-Inf. Markus Michel; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS)).1. Bedeutung des Schablonendruckprozesses
In der Elektronikproduktion stellt der Schablonendruck von Lotpaste im Vergleich zu den Folgeprozessen Bauelementbestückung und Reflowlöten den fehleranfälligsten Prozessschritt dar. Etwa zwei Drittel aller Fertigungsfehler in der Surface Mount Technology-Prozesskette haben ihre Ursache im Schablonendruck und somit am Beginn der Prozesskette [2]. Für eine detaillierte Analyse des Druckergebnisses stehen deshalb sowohl 2D- als auch 3D-Inspektionssysteme zur Verfügung. Insbesondere der Einsatz eines 3D-Pasteninspektionssystems bietet die Möglichkeit, die Qualitätsleistung des Schablonendruckprozesses ganzheitlich zu bewerten, da dreidimensionale Qualitätsmerkmale wie die Transfereffizienz oder das maximale Depothöhenverhältnis mit einbezogen werden können [3].
2. Problemstellung und Lösungsansatz
Ein Defizit liegt weiterhin in der Interpretation und Nutzung der ermittelten Inspektionsergebnisse. Während beispielsweise für den Bestückprozess Softwarelösungen zur Prozessdiagnose existieren [5], stehen aktuell keine Lösungen im Bereich des Schablonendruckprozesses zur Verfügung. Das enorme Potenzial, welches sich durch die Bereitstellung der Inspektionsergebnisse ergibt, bleibt somit ungenutzt. Die Einleitung geeigneter Abhilfemaßnahmen bei Prozessabweichungen und Störungen ist dadurch aktuell sehr schwierig, da sie vom individuellen Wissensstand des Fertigungsmitarbeiters abhängig ist. Dieser muss eine Vielzahl unterschiedlicher Einflussfaktoren, die zudem häufig in Wechselwirkung stehen, korrekt interpretieren.
3. Sammlung und Aufbereitung von Wissen zur Integration in das Expertensystem
Das Wissen wurde zunächst in Form von Mindmaps gesammelt und strukturiert (vgl. Bild 1 oben links). Das hierbei verwendete Wissen stammt aus drei unterschiedlichen Bereichen. Zum einen sind Informationen aus dem Handbuch des Schablonendruckers berücksichtigt, um die Maschinendiagnose zu unterstützen. Darüber hinaus wurden Wirkzusammenhänge gesammelt, die dabei helfen, Verstöße gegen Qualitätsmerkmale des Schablonendrucks zu beseitigen. Neben Verstößen, die auf Informationen aus der automatischen optischen Inspektion (AOI) basieren, wurden auch Fehlermerkmale abgebildet, die einem Anwender im Rahmen einer manuellen optischen Inspektion auffallen. Dies können z. B. Verunreinigungen auf der Leiterplatte oder verstopfte Schablonenaperturen sein. Die Gesamtheit dieser Informationen erlaubt, neben der Maschinen- auch die Prozessdiagnose zu unterstützen.
4. Modellierung und Bereitstellung des Wissens im Expertensystem
Die in Mindmaps gesammelten Fehler-Ursache-Beziehungen müssen auf das interne Datenmodell der Expertensystemlösung übertragen werden. Im Folgenden wurden dazu in der Anwenderoberfläche für Wissensingenieure des Systems zu allen identifizierten Fehlersituationen Fehlerfälle mit ihren Ursachen sowie den jeweils möglichen Abhilfemaßnahmen angelegt. Ein Fehlerfall repräsentiert jeweils einen detektierten Verstoß gegen ein Qualitätsmerkmal oder einen Maschinenfehler und wird als ein Ausgangsknoten angelegt. Ihm kann dabei im Expertensystem eine Beschreibung der Fehlersituation zugeordnet werden (vgl. Bild 1 oben rechts). Für jeden Fehlerfall existieren in der Regel mehrere Ursachen, die ihn auslösen. Die Verknüpfung zwischen einem Fehlerbild und den möglichen Ursachen erfolgt über die Modellierung eines Netzwerkes aus Fragen, von diesen ausgehenden Kanten und Lösungen. Die Lösungen enthalten dabei eine Ursachenbeschreibung samt Behebungsanweisung.
Bild 1: Vorgehensweise bei der Wissensintegration in das Expertensystem zur Unterstützung von Diagnose und Therapie
5. Verwendung des Expertensystems in Fehlersituationen
Die Verwendung des Expertensystems wird durch einen Verstoß gegen die definierten Qualitätsmerkmale oder durch einen Maschinenfehler ausgelöst. Ausgangspunkt des Fehlerbehebungsworkflows ist dabei die Eingabe einer Problembeschreibung in das Expertensystem durch den Anwender. Zur weiteren Analyse des Problems existiert die, in Bild 1 unten rechts dargestellte, webbasierte GUI, mit der der Bediener den Diagnoseprozess durch Eingabe der jeweils erforderlichen Informationen steuern kann. Das Bild zeigt beispielhaft einen Ausschnitt aus dem Diagnoseprozess, wie ihn ein Anwender auf Basis der modellierten Wirkzusammenhänge dargestellt bekommt. Aufgabe des Anwenders ist es, die Diagnosefragen zu beantworten, um so die Fehlerursache - und damit einhergehend auch den Lösungsraum - immer weiter einzugrenzen. Bei komplexen Fragen wird die korrekte und sinngemäße Beantwortung der Frage durch die Einblendung der hinterlegten, ergänzenden Beschreibungen und Multimediadokumente unterstützt. Die je nach Beantwortungsstand der Fragen aktuell relevanten Lösungsknoten werden im unteren Bereich der GUI angezeigt, um ggf. die Schnellauswahl einer geeigneten Lösung zu erlauben.
6. Danksagung
Die Autoren bedanken sich für die Förderung der Entwicklungsarbeiten durch das BMWi unter dem Förderkennzeichen KF2305702PR9.
7. Autoreninformationen
8. Literaturverzeichnis
[1] Beierle, C.; Kern-Isberner G.: Methoden wissensbasierter Systeme, 4. Auflage, Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden, 2008
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