Cluster Mechatronik & Automation

News

12.12.2014

Industrie 4.0

Revolution der Geschäftsmodelle

Industrie 4.0 ist voll im Trend. Was ist aber überhaupt Industrie 4.0? Eine wirtschaftspolitische Initiative der deutschen Bundesregierung zur Absicherung der globalen Wettbewerbsfähigkeit im produzierenden Bereich? Das Ergebnis des Arbeitskreises zum Thema Industrie 4.0, in dem relevante deutsche Firmen (z. Bsp. Bosch, acatech, Wittenstein, Siemens, SAP, ThyssenKrupp, Deutsche Telekom, BMW, Software AG, Trumpf, Infineon, HP, Daimler, Festo, ABB, …), Forschungseinrichtungen (DFKI, TU Darmstadt, IPA, KIT, TU München, RWTH Aachen, …) und einige Verbände vertreten sind. Oder ist Industrie 4.0 das, was auf der letzten Hannover Messe präsentiert wurde?

 

Industrie 4.0 beschreibt im Allgemeinen den Einzug der Internettechnologien in die Produktion. Objekte wie etwa Maschinen, Werkzeuge oder Werkstücke werden „smart“, denken also mit und kommunizieren direkt mit anderen Objekten. Dadurch werden Produktionsprozesse effizienter, flexibler und individualisierter – und das entlang der gesamten Wertschöpfungskette über Unternehmensgrenzen hinweg. Nachdem das Konzept der smarten Produktion die Art, wie Produktion in Industrieländern organisiert wird, maßgeblich verändert, wird häufig in diesem Zusammenhang von der vierten industriellen Revolution gesprochen.


Durch das Internet der Dinge und Dienstleistungen sind Aufträge, Maschinen, Werkzeuge, Betriebsmittel, Transportmittel, Werkstücke und Produkte „intelligent“, das heißt die Dinge können ihren Status identifizieren, mit anderen Dingen kommunizieren, Regeln, Verhaltensmuster sowie Entscheidungsbäume abspeichern und somit dislozierte intelligente Entscheidungen treffen. Die heutigen Planungs- und Steuerungssysteme, Prozesse, Produktionssysteme und Anlagen sind stark hierarchisch geprägt und können das Potential der verteilten Intelligenz nicht nutzen. Es werden autonome, dezentrale und im Internet der Dinge global vernetzte Subsysteme mittels adaptiver, selbstlernender und –steuernder Prozesse interagieren, um adaptiv auf veränderliche Erfordernisse der Produktion zu reagieren.


Hierarchische Prozessstrukturen werden durch Industrie 4.0 aufgebrochen. Miteinander vernetzte, intelligente Produktionssysteme werden die Zukunft sein. Industrie 4.0 wird die Produktion in kleinen Räumen fördern. Daten, Informationen und digitale Dienstleistungen werden weltweit mit geringsten Transaktionskosten verkauft und vertrieben werden. Die Fertigung materieller Produkte wird vermehrt möglichst kundennahe, in einigen Fällen sogar direkt beim Kunden durch fortgeschrittene 3D-Drucktechnologien durchgeführt werden. Die Gewinner von Industrie 4.0 werden jene Firmen sein, die nicht in kleinen Änderungsschritten denken, sondern das gesamte Geschäftsmodell in Frage stellen und umstellen. Dazu ein Beispiel: Hätte Sony vor einigen Jahren eine bessere CD entwickelt, die noch mehr speichern kann, noch bessere Musik abspielt und noch billiger zu fertigen ist, es hätte nichts daran geändert, dass heute über Apps, iTunes usw. Musik gehört wird und CDs demnächst eher musealen Charakter aufweisen werden. Genauso hätte ich das Beispiel Lexikon in Buchform versus Wikipedia bringen können oder etwas in die Zukunft gesehen: Zahntechniklabors werden durch 3D-Printer beim Zahnarzt ersetzt.

 

Industrie 4.0 hinterlässt auch Spuren im Bereich Businessbau. Intelligente Bürogebäude sowie intelligente Fabriksgebäude sind in vielen Bereichen bereits Realität. Unter Nutzung Internet der Dinge werden Themen der Haustechnik (Licht, Alarm, Heizung, Kühlung, Lüftung, Beschattung, …), Ver- und Entsorgungseinrichtungen von Elektrogeräten, Maschinen und Anlagen, Zutrittssystemen, Medientechnik, Messen und Anzeigen von Verbrauchsdaten (Smart Metering), Umweltmonitoring und Gebäudeautomatisierung kombiniert. Dabei  werden vor allem die Ziele Energieeffizienz, Umweltverträglichkeit sowie automatische Anpassung an die aktuellen Anforderungen verfolgt.

 

Industrie 4.0 ist keine Revolution im technischen Sinn. Automatisierung, Mechatronik und IT stellen im Wesentlichen heute bereits alle Technologien und Bausteine für Industrie 4.0 zur Verfügung. Natürlich geht es um gewisse Weiterentwicklungen, Standardisierungen, Verbesserungen, Adaptierungen und vor allem ums Zusammenführen sowie Orchestrieren von Bestehendem – ich würde deshalb von Evolution sprechen. Was wirklich den Namen Revolution verdient, sind die radikalen Änderungen in den Geschäftsprozessen und Geschäftsmodellen: Der Kunde ist Produktentwickler, Marktumfragen werden gegenstandslos – im Internet ist alles Wissen, Handelsstufen fallen weg, Markteintrittskosten und Transaktionskosten verfallen, individualisierte Produkte werden in Kundennähe hergestellt.

 

Durch die digitale Durchdringung werden Märkte transparenter, Produkte leichter vergleichbar, Wechselkosten geringer, Einkaufen zeit- und ortsunabhängig. Zusammengefasst heißt das, dass die Transparenz für die Kunden steigt, der Gestaltungsbereich des Kunden steigt, und der Wettbewerb der Anbieter verschärft wird.


Auch das Anforderungsprofil an Mitarbeiter wird sich in den vernetzten Produktionsumgebungen ändern. Es wird in Zukunft weniger der Experte, sondern der interdisziplinär Ausgebildete die Nase vorne haben. Fähigkeiten rund um IKT werden noch gewaltig an Bedeutung gewinnen. Gewisse Berufe wie Verkäufer oder Zahntechniker jeweils im heutigen Sinn werden verdrängt werden. Neue Jobprofile werden entstehen – Beispiele dafür könnten sein: Daten-Security-Dienstleister, 3D-Druckserviceanbieter, Remote-Operations-Planer oder Big-Data-Analysten.


Die Lohnkosten stellen einen wesentlichen Wettbewerbsfaktor im globalen Wirtschaften dar. Die Konzepte von Industrie 4.0 kombiniert mit guter Ausbildung, hoher Kompetenz der Mitarbeiter und vor allem flexiblen, kostenneutralen Arbeitszeitmodellen können den Lohnkostennachteil aufheben – vorausgesetzt wir machen unsere Hausaufgaben in den Bereichen Aus- und Fortbildung, Arbeitsregulierungen und Arbeitszeitflexibilisierung.


Die Konzepte, die hinter Industrie 4.0 stehen, werden die Wirtschaftswelt nachhaltig beeinflussen. Kurzfristig werden Anlagenbauer, Maschinenbauer, Unternehmensberater sowie SW-Anbieter Industrie 4.0 als Label zur Umsatzsteigerung nutzen. Klassische Produktionsunternehmen werden  Produktivitätssteigerungen mit Einsatz von Industrie 4.0 Methoden erreichen. Die eigentlichen Gewinner der Industrie 4.0 Welle werden jene Unternehmen sein, die entweder materielle Produkte durch digitale Dienstleistungen ersetzen bzw. hoch personalisierte Produkte mit Hilfe von Industrie 4.0 am Markt platzieren werden.

 

Autor und Kontakt:

Prof Dr. Herbert Jodlbauer

FH Oberösterreich Studienbetriebs GmbH
Fakultät für Management
+43 50804 33000
+43 50804 33099
office@fh-steyr.at

 

 

 


Schriftgöße: 
Schriftgrösse grossSchriftgrösse mittelSchriftgrösse normal
••• Suche •••
••• News •••

14.12.2018

KMU-innovativ: Elektronik und autonomes Fahren

BMBF vereinfacht Antragsverfahren baut Beratungsle...


14.12.2018

Zu Gast bei Technologieführer Rohde & Schwarz in T...

Additive Fertigung als Hauptthema des Netzwerktref...


14.12.2018

Save the Date: 13 Februar 2019

Regionalkonferenz des Mittelstand 4.0-Kompetenzzen...


••• Newsletter •••

Immer auf dem neuesten Stand sein! Jetzt unseren Newsletter abbonnieren.

Internationales Forum Mechatronik
mechatronikakademie
Cluster Offensive Bayern
ESF in Bayern
Cluster Mechatronik & Automation e.V. mit dem Clusterlabel Silber ausgezeichnet
Kompetenzatlas Elektromobilität Bayern
Mechatronik
 
Newseinzelmeldung Newseinzelmeldung  Impressum / Datenschutz    |    Sitemap    |    AGB    |    Drucken