Cluster Mechatronik & Automation

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13.11.08

Ingenieurmangel - (k)ein Thema?

 

Im neuen OECD-Bildungsbericht 2008 ist es wieder einmal schwarz auf weiß zu lesen: In Deutschland gibt es zu wenige Akademiker und hochqualifizierte Fachkräfte.

So sind viele Firmen wegen des Ingenieurmangels derzeit nicht in der Lage, Ingenieure, die kurz vor der Rente stehen, durch junge Absolventen zu ersetzen, geschweige denn, zusätzliche Arbeitskräfte für eine Ausweitung der Geschäfte zu gewinnen. Als Folge steigen die Einstiegsgehälter von Absolventen unnatürlich stark und bringen dadurch das Gehaltsgefüge in den Betrieben durcheinander. Gerade kleine, aufstrebende Unternehmen haben damit zu kämpfen und werden dadurch unfreiwillig empfindlich in ihrem Wachstum begrenzt.

 

Die iSyst Intelligente Systeme GmbH, die Ausgründung aus dem Institut ELSYS der Ohm-Hochschule, bekämpft diese Schwierigkeit auf ihre eigene Art. Das 2000 gegründete Unternehmen ist kontrolliert gewachsen und zählt mittlerweile über 55 Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte bei einem für das Jahr 2008 erwarteten Umsatz von 3 Mio. Euro. iSyst konnte sich in den vergangen Jahren als Spezialist für den Test von Software sowie für die Hardwarequalifikation, vor allem im Automotivebereich, etablieren.). Weitere Einsatzgebiete sind die Medizin-, Automatisierungs-, Umwelt  und Fahrzeugtechnik.

 


Um das Leistungsspektrum noch zu erweitern wurde im Frühjahr die Schwesterfirma CoSyst Control Systems GmbH gegründet, die sich mit der Entwicklung eingebetteter und testfähiger  elektronischer Steuerungssysteme (Hard- und Software) bis hin zum Prototypen- und Kleinstserienbau befasst. Geht man davon aus, dass auf einen Testingenieur ca. drei Entwicklungsingenieure alleine für die Software kommen, so wird CoSyst noch viel Ausbaupotential haben, einhergehend mit einem stark erhöhten Personalbedarf.

 

Mit dem Hochschulprofessor Hans Rauch als Geschäftsführer ist die iSyst GmbH allerdings vielen Firmen gegenüber klar im Vorteil. Durch seine knapp 15 Jahre als Professor am Ohm ist es für ihn relativ leicht mit den Studenten - den zukünftigen Ingenieuren - in Kontakt zu kommen. Und selbstverständlich bietet iSyst den Studierenden an, was sie dringend für ihr Studium benötigen, von Praktikumsplätzen über studienbegleitende Werkstudententätig¬keiten bis hin zur Diplom- bzw. Abschlussarbeit. So können sich beide Seiten im praktischen Einsatz kennenlernen, mit dem Ziel talentierte Studierende frühzeitig an das Unternehmen zu binden bzw. eine Firma zu finden bei der man sich wohl und gebraucht fühlt.

 

Das funktioniert aber nur, wenn der im Unternehmen gepflegte Führungsstil zum Wohlbefinden der etablierten und zukünftigen Mitarbeiter beiträgt. Prof. Rauch hat die Erfahrung gemacht, dass es die jungen Leute schätzen, wenn man sie einerseits motiviert und ein interessantes Ziel vorgibt, ihnen aber andererseits genug Freiheit bei der Umsetzung lässt und dabei gemachte Fehler nicht als Verlust für die Firma verdammt, sondern als Erfahrung deklariert. Die Ergebnisse sind dann meist viel besser als erwartet. Ein wenig stolz ist er schon, dass die interessanten Arbeitsthemen und das gute Arbeitsklima bei iSyst regelmäßig dafür sorgen, dass sich die Mitarbeiter untereinander völlig selbstverständlich unterstützen und so jeder Einzelne weit mehr leisten kann, als von ihm alleine erwartet werden kann. Mancher Mitarbeiter arbeitet so begeistert, dass er mit sanfter Gewalt in den Urlaub geschickt werden muss.

 

Das spricht sich natürlich herum und iSyst ist in der glücklichen Lage, dass sich Studierende und Mitarbeiter untereinander "anwerben". Sogar ehemalige Studenten von Prof. Rauch kommen oft nach etlichen Jahren Berufserfahrung bei anderen Firmen von sich aus bei ihm vorbei und fragen nach der Möglichkeit einer Mitarbeit bei iSyst. an. Diese Mund-zu-Mund-Propaganda existiert nicht nur unter (potentiellen) Mitarbeitern, sondern auch zwischen iSyst und befreundeten Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Die Unterlagen von Bewerbern, die bei einer Firma gerade nicht eingestellt werden können, werden mit deren Einverständnis weitergeleitet. So entsteht ein reger "Bewerberaustausch" wie bei einer kleinen Personalvermittlung.
Denn die iSyst GmbH kann ihren Personalbedarf nicht alleine mit Ohm-Absolventen und Absolventen der Hochschule für angewandte Wissenschaften Regensburg, an der Armin Farrenkopf, einer der geschäftsführenden Gesellschafter von CoSyst, als Lehrbeauftragter aktiv ist decken. Als Partner in vielen Forschungsverbünden fällt es Prof. Rauch nicht schwer einen Zugang zu den "Elfenbeintürmen" der Universitäten zu finden und mit ihnen zu kooperieren. Bereits mit dem Institut ELSYS hatte er im "Bayerischen Kompetenznetzwerk für Mechatronik (BKM)" bewiesen, dass Ohm-Absolventen auf Augenhöhe mit den Doktoranden der Universitäten zusammenarbeiten können, wenn sie entsprechend vorbereitet und unterstütz werden. Die dabei geknüpften Kontakte gehen soweit, dass derzeit fünf Doktoranden der TU Chemnitz und der FAU Erlangen-Nürnberg im Rahmen von kooperativen Promotionen bei iSyst beschäftigt sind und auf die Promotion hinarbeiten.
Die Kooperationen mit Universitäten beschränken sich nicht nur auf den deutschsprachigen Raum. Viele Studenten und Mitarbeiter kommen aus EU-Staaten oder sogar vom anderen Ende der Welt. Im Gegenzug vermittelt Prof. Rauch auch gerne deutschen Studenten einen Platz im Ausland. Bisher hat sich dieser Personalaustausch z.B. mit der Fachhochschule Heigh-VD  in Yverdon-les-Bains in der Schweiz, der Universität Dundee in Schottland und mit dem Royal Melbourne Institute of Technologie RMIT in Australien bewährt. Von den ca. 63.000 Studierenden des RMIT werden sich sicher auch einige für iSyst entscheiden.

 

Überhaupt wird Multikulti bei iSyst täglich gelebt. Zwölf Nationalitäten bevölkern die iSyst-Büros und Laboratorien. So ist es ganz normal, dass ein Inder, der in Schottland studiert, zur Erstellung seiner Abschlussarbeit bei iSyst in Nürnberg Station macht – und bleibt. Denn gerade das Anwerben von ausländischen Ingenieuren wird immer wichtiger, um dem Akademikerengpass in Deutschland entgegenzuwirken.

 

Eigentlich sollten die ausländischen Studierenden nach ihrem Abschluss ins Heimatland zurückkehren um dort die Technik und Wirtschaft aufzubauen bzw. zu stärken und damit die Lebensqualität zu verbessern. Vor Ort helfen sie uns dann, unsere Exporte zu sichern, indem sie sich an die Geräte und Werkzeuge erinnern, mit denen Sie bei uns in Berührung gekommen sind, falls sie jetzt im eigenen Land für die Beschaffung von solchen Geräten verantwortlich sind. Auch wenn nur ein kleiner Teil der ausländischen Studierenden bei uns bleibt, so ist das für uns immens wichtig. Wir wissen aber auch, dass diese Absolventen dann beim Aufbau im eigenen Lande fehlen. Wie so oft ist auch hier in gesunder, landesspezifischer Kompromiss zu finden.
Die Arbeit wandert dort hin, wo entsprechende Arbeitskräfte vorhanden sind. Wehren wir uns dagegen, indem wir gute Arbeitskräfte zu uns holen, um hier die Arbeit zu verrichten und so aufzuzeigen, dass es wieder Sinn macht, in Deutschland zu entwickeln und zu produzieren. Denn die Entwicklung wandert üblicherweise im Schlepptau der Produktion ab. Wehren wir uns, indem wir immer mehr junge Männer und besonders auch junge Frauen motivieren, in die Technik einzusteigen. Die beiden Töchter von Prof. Rauch hat er schon dafür begeistern können. Begeistern wir auch besonders die Eltern und Lehrer, damit sie als Multiplikatoren unsere Schüler begeistern können. Wir müssen nicht technikbesessen sein wie die Japaner, aber ohne Innovationen und einem stets erforderlichen Technologievorsprung können wir unseren hohen Lebensstandard in Zukunft nicht halten.

 

Die Georg-Simon-Ohm-Hochschule in Nürnberg ist für einen Ansturm von technischen Interessierten gewappnet und unterstützt die Studierenden aus mehr als 100 Ländern bei ihrem Studium am "Ohm". Prof. Rauch sowie alle Mitarbeiter der Firmen iSyst und CoSyst unterstützen dabei gerne im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

 


Autoren: Stefanie Meier, Hans Rauch


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